Leben und leben lassen

Eine kleine – und mittlerweile übliche – Vorwortansammlung:
Dieser Text entstand eigentlich schon Ende August auf einem Blatt Papier. Ich wollte damals endlich wieder etwas für mich schreiben und habe einfach blind darauf losgeschrieben. Dabei kam etwas raus, was ich ursprünglich nicht veröffentlichen wollte. Es passte zuerst irgendwie nicht in eine der Kategorien, für die ich normalerweise schreibe. Es hatte im ersten Moment nichts mit Philosophie oder gar Gaming zu tun. Irgendwie habe ich dann aber doch noch ein paar Zeilen dazugeschrieben, weil es mir unvollständig und unsauber vorkam und damit wurde es doch irgendwie philosophisch, wenn auch nur oberflächlich. Dennoch wollte ich es nicht publizieren. Mittlerweile habe ich das Blatt Papier aber so oft in Händen gehalten und gelesen, dass ich mir sicher bin, dass zumindest ein oder zwei interessierte Leser Spaß oder Werte darin finden können.
Frohes Lesen!

In den letzten Tagen ist wieder etwas Zeit zum nachdenken gewesen. Was mir als eines der ersten Dinge auffiel, war der Mangel an eben jener Zeit und der damit verbundene Mangel an philosophischen Gedanken und Gesprächen. Einerseits fehlte schlichtweg die Ruhe, andererseits habe ich sie mir teilweise selbst genommen. Es gab viel zu tun. Wände wurden gestrichen, Arbeitsprojekte umgesetzt, Aufträge verarbeitet und ein Privatleben hat man schlusendlich auch.

Jetzt gerade, als ich diesen Text mit meiner Feder zu Papier bringe, sitze ich an einem Teich. Es ist ruhig bis auf das gelegentliche Plätschern des Wassers, den hin und wieder sich regenden Wind und dem Surren und Ziepen einiger Insekten. Irgendwo zwitschert noch ein Vogel und ab und an hört man einen Frosch quacken. Ansonsten ist es still.

Es tut gut, endlich wieder schreiben und entspannen zu können. Es sind nur ein paar Minuten und dennoch füllt es Energiereserven, die seit Wochen leer, aufgebraucht und vertrocknet scheinen. In diesem Moment vermisse ich dennoch jemand Besonderen. Doch ich ziehe auch eine Lehre aus diesem Moment. Während der letzten Wochen habe ich zu oft vergessen zu leben, einfach da zu sein. Vor einigen Wochen habe ich noch über Bereicherung und Überfluss geschrieben und darüber, wie unnötig einige Dinge doch sind und habe dabei die einzige, nicht befüllbare Ressource vergessen – unsere Zeit.

Zu oft gehen wir verschwenderisch damit um, denken uns einfach, dass wir später leben können, aber wann? Nach der Beförderung im Job? Nach dem Durchbruch im Hobby? Nach der Arbeitszeit? Nach dem nächsten Wochenende? Den Vorsatz jeden Montag verschiebend? Wann leben wir? Wie leben wir? Leben wir um zu arbeiten oder arbeiten wir um zu leben? Wer ist am Ende Schuld, wenn wir alles verpasst haben, was wir sehen wollten?

Und jetzt kommt der Clou an diesem Spiel des Lebens: Wir entscheiden selbst. Täglich. Mit jeder gemachten oder versäumten Tat fülen wir unsere Geschichte und verbrauchen die wertollsten Ressourcen unseres Planeten und unseres Lebens: Zeit; und in den meisten Fällen auch unser Leben.

Kompetitiver eSport v2.0

Heyho,
ich habe diesen Artikel eigentlich bereits vor über einem Jahr geschreiben und auch hier veröffentlicht. Allerdings habe ich beim lesen neulich festgestellt, dass ich einige grobe Fehler gemacht habe, deswegen habe ich ihn überarbeitet und teilweise neu geschrieben. Warum mich niemand auf die Fehler aufmerksam gemacht hat, weiß ich nicht, aber ich werde das Original nicht löschen. Viel Spaß mit der Neuauflage des Zweiteilers.
Have fun!

Kompetitiver E-Sport – Ein nicht erreichbares Ziel? (Teil 1 von 2)
Vorne weg sei gesagt, mir geht es mehr um die geistige Einstellung und die von vornherein feststehenden Absoluten in der menschlichen Psyche. Zusätzliche Faktoren und Variablen sind hier nicht inbegriffen und können sich dementsprechend auf das ‘Endergebnis’ auswirken.

Viele Jugendliche, die sich vermehrt mit League of Legends, DotA (2), Starcraft (II) oder anderen stark kompetitiven Spielen beschäftigen, haben oft den Wunsch oder Wunschtraum, möglichst weit in der Rangliste hochzuklettern oder sogar professionell ihr Lieblingsspiel zu spielen, davon zu leben und den zugehörigen Ruhm einzustreichen. Dabei ist dieser Traum oft größer, je niedriger man in den Rängen ist. Warum aber so viele daran scheitern, beziehungsweise gar nicht erst in die Nähe der Chance dazu kommen, möchte ich in diesem Artikel etwas unter die Lupe nehmen. Dies sind nur meine eigenen Gedanken und ich kann damit auch gründlich falsch landen. Aber ich werde alle vorgebrachten Argumente und Beispiele so gut wie möglich beleuchten und erklären, wie ich zu diesem Gedanken gekommen bin.

Ganz am Anfang möchte ich erst einmal auf die persönliche Entwicklung eines Menschen bis zum Entschluss, dass er in dieser Rangliste nach oben klettern will, in Betracht ziehen, hier werden nämlich schon rund 60 % des Potenzials entschieden. Ist der Betroffene ein Kämpfer, ein ausgeglichener Mensch, ein zäher Hund oder einfach nur ein schlechter Verlierer? Die ersten drei haben es je nach Charakteristikum “sehr leicht” bis “schwer, aber machbar”. Der Kämpfer holt einfach immer und immer wieder zum Schlag aus und spielt sein Spiel offensiv und dauerhaft, bis er endlich da ist, wo er hin will. Die zähe Sorte geht ähnlich wie der Kämpfer an die Situation ran. Er versucht es einfach immer und immer wieder, ist dabei zwar bei weitem nicht so offensiv und wartet oft einfach nur auf eine günstige Gelegenheit. Meistens braucht er länger (oft sogar wesentlich länger) als der Kämpfer, wenn er es aber Mal geschafft hat, hält er im Regelfall das errungene Niveau konstanter als der Kämpfer, der sich danach oft erst Mal “ausruht”.

Die ausgeglichenen Menschen sind von beiden ein bisschen. Einerseits können sie Kämpfer sein, andererseits aber auch extrem zäh. Dadurch, dass sich ihre Einstellung von Spiel zu Spiel ändern kann, sind sie wahnsinnig flexibel und haben, am Beispiel von LoL, zumeist auch den größten Championpool. Die meisten Menschen sind dieser ausgeglichene Typ und kommen sehr gut damit klar. Der nächstgrößere Faktor für diese sind das Training und die Aktivität. Sie müssen hart trainieren, kommen dafür aber relativ schnell vorwärts. Dann gibt es da noch die letzte ‘Grundeinstellung’ – ein schlechter Verlierer.

Diese Menschen haben es mit viel Abstand am Schwersten. Wenn sie verlieren, schlagen sie Wände ein, werfen Controller durch den Raum oder an die Wand, schreien ihre Gegner – falls sie in Reichweite sind – an oder beschuldigen sie des Schummelns, Cheatens oder eines ‘unfairen Tricks’ innerhalb des Spiels (ja, auch das “jetzt lauern die uns schon wieder im Busch auf” zählt dazu – es ist legitim und jeder der darauf reinfällt, ist selbst Schuld). Diese Art von Mensch arbeitet am wenigsten an sich und sucht sich zumeist einfachere Wege, um irgendwie vorwärts zu kommen. Dabei verwenden sie aber wenig Energie auf effiziente Dinge wie Training (“das habe ich doch nicht nötig”) oder Übung (“ich spiele direkt gewertete Spiele, ich bin schon gut genug”) sondern viel mehr auf das zerstören von eben Gamepads, Tastaturen und Wänden.

Während sich die ‘Arten’ eins bis drei nach einer Niederlage an den Kopf fassen, Fehler bei sich selbst suchen und an sich arbeiten, werden hier einfach Dinge zerstört, die Schuld anderen gegeben und Drohungen und Beleidigungen fliegen in unnahbarer Anzahl an die Augen bzw. Ohren der gewinnenden Gegner. Leider fallen diese Spieler am häufigsten negativ auf, obwohl sie die Seltenheit sind. Oft gibt es Spieler, die einfach einen schlechten Tag hatten und nach einer weiteren Niederlage einfach nicht mehr verkraften können. Leider ordnet man diese dann aber direkt dieser Kategorie hinzu.

Wie man sich jetzt genau in diese ‘Arten von Menschen’ einreiht? Naja, das wurde jeder von uns bereits. Dabei geht es um Erziehung, Ausbildung, die persönlichen Erlebnisse in der Kindheit und viele andere Dinge, die uns in der Entwicklung beeinflussen. Außerdem kommt noch die Grundbeschaffenheit durch die Gene dazu. Wir sind alle ab einem gewissen Zeitpunkt einer dieser Kategorien zugeordnet – es gibt natürlich einige Aspekte mehr, aber diese sind für das Gaming-Segment im Großen und Ganzen unwesentlich, da sie mit diesen vier – ich nenne es einfach Mal – Grundtypen kombinierbar sind oder sogar nur in Kombination auftreten.
Es entscheidet sich damit, ob man für den Wettkampf ‘geeignet’ ist, oder eben nicht. Man kann sich auch jeden dieser Charakterzüge bis zu einem gewissen Punkt antrainieren, wodurch die Grenzen sehr schnell verwischt werden können, andererseits gibt es aber von Natur aus sehr selten ‘reine’ Charakterzüge. Mit Disziplin, etwas Geduld und Selbstreflexion kann man herausfinden, welche Art von Mensch man ist – am besten fragt man aber nicht seine Freunde, da diese generell dazu neigen, einem die Welt schön zu reden. Wenn man das nun also zusammenfasst gibt es nur noch zwei große, übergeordnete Kategorien – kompetitive und „nicht dafür geeignete“ Spieler.

Wie schon oben erwähnt gibt es natürlich immer die Chance sich die mangelnden Eigenschaften anzutrainieren, das benötigt aber viel Geduld und die dementsprechende Motivation. Woher ich das weiß? Ich war früher ein schlechter Verlierer erster Klasse. Wenn mich Freunde und Schulkollegen in Mario Kart, Mario Party oder Super Smash Bros. geschlagen haben, bin ich an die Decke gegangen. Selten hatte ich die Chance zu gewinnen, obwohl ich doch so viel gespielt habe und selbst gegen die härteste KI in den damaligen Spielen bestehen konnte. Ich hatte viel Glück und meine Freunde nahmen es mir nicht übel, sondern halfen mir zu verstehen – es geht nicht vorrangig um gespielte Zeit oder darum, immer den stärksten Move oder die besten Einheiten zu bauen, sondern darum, die Mechaniken eines Spiels zu verstehen und den Vorteil daraus zu ziehen.

Jedes Spiel hat dabei eigene Mechaniken und Systeme, die man lernen, verstehen und ins Gefühl bekommen muss. Bei Starcraft geht es zum Beispiel ums Bevölkerungslimit, den Ressourcenabbau und den grundlegenden Basisbau, der in eigentlich jedem Strategiespiel ähnlich strukturiert ist. In League of Legends betrifft es die verschiedenen Fähigkeiten der Champions, die spezifischen Rollen der Helden, die zugehörigen Gegenstände und die Kombination von all dem zu einer funktionierenden Mechanik. Dabei gibt es weniger komplexe Mechaniken ebenso wie die ‘Hölle auf Erden’. Ich werde am Beispiel LoL bleiben, da ich da die meiste Erfahrung habe, werde aber auch kurz auf Starcraft eingehen. Singed zum Beispiel ist mit relativ einfachen Mechaniken ausgestattet. Trotzdem ist es ziemlich schwer, ihn fehlerfrei zu spielen, da man den Schaden, den man verursacht sehr schnell überschätzen und den, den man einsteckt, sehr leicht unterschätzen kann. Ein anderes Beispiel wäre Darius. Dieser ist eher im Mittelfeld des Skilllevels anzuordnen. Man kann auf jeden Fall viel Schaden mit seinen Fähigkeiten anrichten, jedoch nur dann wirklich dominieren, wenn man alle Fähigkeiten voll verstanden hat und sie dementsprechend einsetzen kann.

Neben diesen beiden ‘Schwierigkeitsgraden’ der Mechaniken, die leicht zu erlernen, aber schwer zu meistern sind, gibt es noch die dritte Stufe. Zu diesen würde in LoL Janna gehören. Sie ist einer von wenigen Champions, die von der Mechanik her extrem schwer zu meistern sind, aber kaum minder schwer zu erlernen. Bei ihr reicht es nicht einfach, die Sprüche nacheinander rauszuklopfen, man muss sehr taktisch und vorausschauend agieren, Cooldownzeiten sind hoch, man muss exakt treffen und wenn man sie falsch setzt, merkt man es erst, wenn es schon viel zu spät ist. Einen solchen Champion zu meistern, heißt noch lange nicht, dass man das Match lenken und dominieren kann, aber immerhin, dass man die Mechaniken dahinter wirklich gut durchblickt.

Bei Starcraft würde es ungefähr so aussehen: Am einfachsten zu erlernen sind definitiv die Terraner. Sie haben einfache Gebäude- und Einheitennamen (jeder kann was mit einer Kaserne oder einem Marine anfangen – auch die, die eigentlich nichts mit Videospielen zu tun haben). Das Mittelmaß am Skillevel wären dann die Protoss und den Höchstlevel erreichen die Zerg (normalerweise würde ich an dieser Stelle an die verdammt starken Ähnlichkeiten zu Space Marines, Eldar und Tyraniden aus W40k hinweisen, welches schon ‘etwas’ früher erschienen ist, aber ich glaube, dieses Mal sehe ich davon ab – oh, Moment, Mist). Da ich aber nie sonderlich gut in Starcraft war, kann ich jetzt hier nur schreiben, was ich durch andere Strategiespiele, die ich gespielt habe, dazu ableiten kann.

Die meisten Spiele könnte man in einfachen Zahlen ausgeben – aber was wäre ein solches, kompetitives Spiel ohne die grafische Oberfläche darüber? Richtig! Langweilig. Selbst Schach könnte man nur mit Buchstaben und Zahlen spielen – ohne Feld, ohne Figuren, aber es wäre unnötig kompliziert und abgesehen davon würde das Spiel keiner spielen wollen, weil man einfach nichts sieht.

Natürlich kommt es auch viel auf den Spielertyp drauf an – ein klassischer Kämpfer wird mit den Protoss herzlich wenig anfangen können, da er einfach zu wenig Einheiten zum ‘jonglieren’ hat; er würde mit den Zerg wohl viel besser dastehen. Ein eher zäher Spielertyp würde wohl hingegen mit den Terranern oder Protoss ziemlich gut dastehen. Beide bieten gute Möglichkeiten, die Gegner auflaufen zu lassen (die Zerg natürlich ebenso, es benötigt aber mehr Zeit als bei den Terranern).
Wenn man dann diese Mechaniken hinter einem Spiel verstanden hat, dann geht es um den eigentlich wichtigen Teil – wie wird man besser und wie kann ich meine, durch meinen Spielstil oder Charaktertyp entstehenden Nachteile ausmerzen und damit erfolgreich werden?
Es wird keine “Komplettlösung” zum Erfolg geben, aber die grundlegenden Aspekte werde ich aufgreifen.

Kompetitiver E-Sport – Ein nicht erreichbares Ziel? (Teil 2 von 2)
Nachdem ich letztes Mal auf die Basis der Psyche eingegangen bin, die grundlegenden Spielertypen erklärt habe und die Mechaniken Grob umrissen wurden, geht es heute um den schon etwas fortgeschritteneren Teil. Wie kann ich Vorteile aus meiner psychischen Verfassung ziehen, Nachteile korrigieren und wie gehe ich mit allem um, was um mich herum passiert, während ich spiele.

Ich beginne wieder beim ‘Kämpfer’. Dieser hat die einfachsten Möglichkeiten, das Maximum aus seinem Potential rauszuholen. Leider sind sie, nach den ‘schlechten Verlierern’, aber auch die am seltensten vorkommenden Spieler. Wie schon letztes Mal erwähnt, gehen sie einfach immer wieder auf das Spielfeld hinaus um zu lernen, zu verstehen und letzten Endes zu gewinnen – wenn sie verlieren, zucken sie mit den Schultern und reihen sich wieder in die Warteschlange für das nächste Spiel ein. Der größte Nachteil (und vermutlich auch der einzig erwähnenswerte bei den Kämpfern) ist der mangelnde Fokus auf der Spielanalyse. Sie gehen direkt ins nächste Spiel und versuchen dort ihren Skill zu verbessern und höher zu klettern ohne auch nur einen Gedanken an potentielle Fehler im letzten Spiel zu verschwenden. Zumeist entdecken sie diese Fehler, wenn der Gegner es richtig macht oder sie Spiele aus den Profi-Ligen sehen.

Deswegen ist es auch so wichtig für Profi-E-Sportler gegen möglichst viele Gegner zu spielen. Wenn ich mir die LCS, die Elite der LoL-Ligen anschaue, würde ich darauf tippen, dass 50 Prozent der Spieler in NA und EU Kämpfer sind. Wenn diese dann gegen nicht LCS-Spieler antreten finden sie einfach ihre Fehler im Spielstil und korrigieren diese einfach. Eine Fähigkeit, die den anderen Grundtypen leider fast immer fehlt.

Als zweiten Punkt möchte ich den zähen Spieler beschreiben. Dieser ist ähnlich wie der Kämpfer – Niederlagen prallen meistens ab und es geht relativ schnell wieder in das nächste Spiel – allerdings mit einem Unterschied – er sucht seine Fehler. War er zu gierig, hat er irgendwo zu lange gewartet, hat er falsch reagiert und etwas komplett falsches gebaut/gekauft? Erst wenn er mindestens einen Fehler gefunden hat, den er im nächsten Spiel nicht machen möchte, geht es in die Warteschlange. Generell würde ich sagen, dass es mehr zähe Spieler als Kämpfer gibt aber von beiden bei weitem nicht so viele, als dass sie mit den ausgeglichenen Spielern mithalten können.

Der größte Nachteil der zähen Spieler offenbart sich aber im Spiel. Wenn sie im Spiel einen Fehler in ihrer Spielweise finden, geraten sie wahnsinnig schnell aus dem Konzept und spielen schlechter. Man merkt es oft an Spielern, die einen winzigen Fehler machen und darauf hin direkt noch drei. Wieder die Relation mit der LCS betrachtet, würde ich sagen, dass nur zirka 10 Prozent der Spieler zähe Spieler sind. Oft sind es die Teamkapitäne, die direkt in den Replays nach Fehlern suchen und diese dem Team mitteilen.

Zum Schluss der einfachen Analysen noch den ausgeglichenen Spieler. Er kann, wie schon in Teil 1 erwähnt, in beide Richtungen ausschlagen und genau deswegen hat er auch die größten Probleme, die Ligen hochzuklettern. Manches Mal haut er direkt das nächste Spiel rein, ohne nachdenken zu müssen und wird dann direkt im Spiel auf einen Fehler aufmerksam und kommt aus dem Konzept – er kann sich in dem Moment nicht kontrollieren und das drückt dementsprechend auf seine Stimmung und damit wiederum auf den Spielstil und die Konzentration. Theoretisch hat diese Art von Spieler, die im weltweiten, kompetitiven Spiel – also auch mit den normalen Ranked-Warteschlangen – knappe 90 Prozent der Spieler einnimmt, es am leichtesten – sie können alle Vorteile der Kämpfer und zähen Spieler nutzen.

Leider ist das nur in der Theorie so, denn auf der Kehrseite haben sie auch alle Nachteile, die auftreten können. Deswegen ist es für viele Spieler einfach nur eine Spirale der Nachteile, die sie treffen. Die Wenigsten sehen dann noch die ebenso vorhandene Spirale an Vorteilen, die sie haben können und damit tritt das Phänomen des sogenannten “selbstverschuldeten Leids” oder der „selbsterfüllenden Prophezeiung“ ein. Man denkt nur noch daran, wie viel Pech man hatte und noch haben wird und dreht sich durch die eigenen negativen Erwartungen einfach immer weiter selbst nach unten. Durch die menschliche Psyche – die in dieser Hinsicht leider etwas eigen ist – funktioniert das im Positiven leider nicht so einfach.

Damit sind wir auch schon beim schwierigsten Kandidaten angelangt – dem schlechten Verlierer. Diese haben lustigerweise sowohl den größten Vorteil als auch den größten Nachteil von allen. Sie sind motiviert, sie wollen gewinnen. Das Problem dabei ist, dass sie nicht verlieren wollen und schon gar nicht können. Wenn sie verlieren oder auch nur im Nachteil sind, beginnt der schwierige Teil, denn ab diesem Zeitpunkt ist mit ihnen nichts mehr anzufangen und genau da starte die Probleme. Sie beleidigen ihr Team oder spammen einfach den Chat zu, um Gegner einfach zu beleidigen. Vielleicht sogar mit der Hoffnung, damit noch irgend etwas gewinnen zu können. Leider stärkt das nicht unbedingt die spielerischen Beziehungen und der Gegner wird, wenn er selbst ein schlechter Verlierer ist, selbst zu aggressiven Problemfall oder er ignoriert ihn einfach und spielt sein Spiel. In beiden Fällen fühlt sich der schlechte Verlierer aber auf jeden Fall noch schlechter.
Diese Spieler haben den Willen zu gewinnen, es ist aber ein Ding der Unmöglichkeit für sie, zu verlieren. Falls dies wirklich auch nur in Betracht gezogen wird, sinkt die Leistung. Es fehlt an innerer Disziplin. Jetzt kann man natürlich sagen, dass ich leicht reden (bzw. schreiben) habe, aber ich habe es in Teil 1 schon angesprochen – ich war auch lange Zeit einer dieser Spieler – bis ich irgendwann verstanden habe, dass verlieren nichts schlechtes ist, und man daran wachsen kann. Mittlerweile zähle ich mich zu den ausgeglichenen Spielertypen mit Hang zum zähen Spieler. Hin und wieder gibt es aber immer noch Ausreißer und ich werde zum schlechten Verlierer.

Natürlich kann es auch genau anders herum vorkommen – ein Kämpfer, zäher oder ausgeglichener Spieler kann genauso zum schlechten Verlierer werden, wie umgekehrt. Da komme ich aber wieder auf den Anfang von Teil 1 zurück. Dort habe ich ja bereits beschrieben, wie wir uns in diese Arten entwickeln – es ist ein ständiger Prozess. Daher kann ein Kämpfer auch ein zäher oder ausgeglichener Spieler werden, und so weiter. Wichtig ist nur, dass man sich selbst mit Disziplin und Selbstreflexion betrachtet und ehrlich zu sich selbst ist – ohne zu wissen, wer oder was man ist, kann man nicht seine eigenen Vorteile ausspielen.

Damit komme ich auch schon zum letzten Part – wie gehe ich mit meinem Umfeld um mich um, während ich spiele. Zuerst würde ich dafür sorgen, dass ich garantiert Zeit habe, ein Spiel in Ruhe zu spielen. Wenn ich weiß, ich muss in 30 Minuten weg, hat es keinen Sinn ein LoL-Spiel anzufangen. Eine Runde Starcraft 2 oder Counter-Strike geht sich eventuell noch aus, aber auch davon würde abraten. Wenn nicht genug Luft da ist, um ein eventuell längeres Spiel auszufechten, setzt man sich selbst nur unnötig unter Druck und stresst sich damit automatisch selbst, wodurch wiederum die Konzentration sinken kann.

Wenn man also weiß, ja man hat Zeit, geht es nur noch um die Zeit während des Spiels. Falls einen da wirklich einer überraschend anspricht oder einem spontan etwas dazwischen kommt, ist es – meiner Meinung nach – das Wichtigste, ruhig zu bleiben. In Spielen wie League of Legends bittet einfach darum, kurz zu warten, bis ihr Tod oder in der Basis seid und kümmert euch dann darum, wenn es schnell geht und in längeren Spielen, oder in zum Beispiel Starcraft fragt ebenso, ob es noch kurz Zeit hat, bis nach dem Spiel und gebt euch unbedingt ein paar mehr Minuten Zeit, als ihr erwartet. Wenn man davon ausgeht, dass ein normales Spiel in Starcraft 2 zirka 20 Minuten geht (ist schon recht zügig bei ebenbürtigen Gegnern) und ihr werdet bei Minute 10 gestört, dann sagt, dass ihr in 20 Minuten Zeit habt, wenn ihr abschätzt, dass ihr ca. 15 Minuten braucht – es kommt meist anders als man es erwartet.

In Starcraft hätte man zwar die Möglichkeit, das Spiel zu pausieren, ich würde aber davon absehen. Der Gegner wird schließlich nicht abgelenkt und kann nochmal in Ruhe im Kopf alles durchgehen, während ihr abgelenkt und aus dem Spielfluss gerissen werdet. Meist gibt es Verständnis dafür und letzten Endes kann man sich sowieso nie sicher sein, wirklich Zeit zu haben. Es gibt schließlich Eltern, Geschwister, Lebenspartner, Kinder und Vereine bzw. Hobbys, die einem dazwischenfunken können.

Vollgestopftes oder eher bereichertes Leben?

Wir erleben in der heutigen Zeit jeden Tag so vieles, dass wir uns teilweise wohl eher verschanzen und einigeln sollten, um dem stetigen Informationsfluss zu entkommen. Wobei das nicht alles ist, wovor wir uns verstecken sollten, es gibt einfach irre viele Dinge, auf die man getrost verzichten könnte, wenn man denn wollte, eventuell sparsamer umgeht oder seine Zeit sinnvoller nutzen möchte. Klar, man hat vermutlich mindestens einmal am Tag eine Phase, in der man sich sagt: „Jetzt habe ich genug“, aber wie viele setzen sich dann irgendwo weg oder können das überhaupt? Deswegen möchte ich das heute etwas beleuchten.

Grundsätzlich gilt, dass wir in der heutigen Zeit andere Lebensstandards haben, als es noch vor 20 oder 30 Jahren der Fall war. Wir haben den PC, Smartphone, Tablet und zugehörige Abwandlungen wie Konsolen serientauglich und familientauglich gemacht. Fast jede Familie hat einen PC, oder zumindest einen Laptop oder ein Tablet , nur wenige haben noch keine Spielekonsole zu Hause stehen – zumindest die Kinder haben diese Geräte fest im Griff und können damit auch ziemlich gut umgehen.

Aber nicht nur im technischen Bereich, auch in anderen Lebenssituationen werden wir abgefüllt, bis nichts sinnvolles mehr hinein passt. Sei es durch ‘billige’ Zeitungen und Zeitschriften oder durch schiere Blödheit aus Langeweile. Wir Menschen der westlichen Zivilisation haben einen Punkt erreicht, an dem wir wohl eher Rückschritte machen, zumindest, was die breite Masse angeht. Innovationen in der Form, in der wir sie kennen, gehen zumeist von großen Firmen aus, nicht mehr von einzelnen Denkern, die irgendwo im Anbau oder in der Garage des eigenen Hauses etwas entwickeln. Dafür sind viele Dinge des heutigen Lebens zu komplex.

Abgesehen davon wird vermutlich auch vieles durch Medien verwaschen oder nur ungenau erörtert. Solange man die Masse ruhig halten kann, sei es durch Angst vor Terrorismus oder durch Euphorie vor großen Veranstaltungen, ist das Volk schließlich still und wen interessiert es schon, wer genau jetzt was erfunden hat? Aber das ist ein anderes Thema und hätte vermutlich auch einen eigenen Artikel verdient (bekam es auch, zumindest zum Teil, nämlich hier „Der Einfluss der Massenmedien“).

Aber was sind jetzt solch unnötige Dinge? Es sind oft einfach Gegenstände, die man das ganze Jahr über herumliegen hat, ohne sie auch nur einmal anzusehen. In meinem Fall wären das zum Beispiel bestimmte Spiele, die in meinem Regal stehen, die ich aber noch nie gespielt habe – oder zumindest nicht weit. Jemand anderes könnte wohl wesentlich mehr damit anfangen, als ich. Aber das sind nur kleine Kratzer an dem großen Ball. Ein wesentlich größerer Brocken davon stellt das aktuelle Fernsehprogramm dar. Dort wird nicht mehr abgebildet, was wichtig ist, sondern vielmehr wird etwas abgebildet, damit man glaubt, es sei wichtig – und es gibt einfach nicht genug wirklich Relevantes, wenn die einzelnen Fernsehsender nicht alle dasselbe Programm ausstrahlen wollen. Da kommt aber auch die eigentliche Frage – braucht die Menschheit das alles? Brauchen wir gefühlt 200 Fernsehsender, die alle Scripted Reality oder nur Hollywood-Blockbuster ausstrahlen? Und das mit mehr Werbeunterbrechungen als es Fernsehsender gibt? Und wann ist es eigentlich nützlich oder unnötig? Wer entscheidet das?

In erster Linie sollte das wohl jeder für sich entscheiden – eine „allgemeine Regelung“ dafür aufzustellen, wäre wenig sinnvoll, wobei es auch da Ausnahmen gibt. Jeder braucht schließlich andere Dinge, um glücklich zu sein. Für manche sind es einfach die Menschen rund um einen herum, für die anderen sind es Bücher, für wieder andere der Fernseher oder der PC, oder, oder, oder,….

Ihr seht schon, man kann gar keine „Grundregeln“ aufstellen, bis auf ein Minimum, bestehend aus Nahrung, Wasser, Hygiene, einer Wohnung, einfach allem, das für den Mensch als „Existenzminimum“ zählen würde. Wenn jeder Mensch der Welt diesen Standard leben würde, hätte jeder noch genug übrig, um seine Wünsche und Bedürfnisse größtenteils zu erfüllen. Das Problem dabei ist nur, dass wir, als westliche Zivilisation auf sehr vieles verzichten müssten. Man könnte sich neben dem Job keine zwei oder drei Hobbys (manche sogar mehr) leisten, eben nur eines und im Endeffekt wäre es sogar besser, die Hobbys als Beruf auszuüben. Da aber jeder sein Minimum zugesprochen bekommen würde, gäbe es da kaum Probleme. Es könnte aber zu Engpässen bei verschiedenen Berufsbildern kommen, denn zum Beispiel Tischler, Landwirte und Briefträger sind jetzt schon rar gesät.

Nun bin ich weder wirtschaftlich noch mit den Ressourcen so gut bewandert, um zu wissen, ob es überhaupt möglich wäre, das so durchzuziehen und natürlich müssten auch alle Menschen mitspielen, denn wenn man dieses Konzept durchzieht, wäre die westliche Welt – nach unseren Maßstäben – arm. Aber alle hätten, was sie brauchen, oder nicht? Nun, eigentlich ja, aber doch auch irgendwo nicht. Sie hätten alles, um gut und sicher überleben zu können, aber definitiv nicht genug, um angenehm Leben zu können. Wir wurden die letzten Jahre immer mehr darauf getrimmt, mit dem, was wir haben nicht zufrieden zu sein – wir sollen immer mehr haben wollen, um die Wirtschaft „anzukurbeln“, und so weiter.

Im Endeffekt könnt ihr also, jeder einzelne, für euch selbst entscheiden, was überflüssig ist, aber es gibt eben auch Dinge, die ziemlich unnötig sind. Es gibt Küchengeräte in Teleshopping-Angeboten, wo ich mir als gelernter Koch schon beim Zusehen denke „Wenn ich das, was die damit machen, nachmache, ist das Ding hinüber und Garantie ist auch weg, weil ganz sicher irgendwo steht, dass man das nur auf eigene Verantwortung nachmachen darf und jegliche Haftung ausgeschlossen wird“. Ich glaube, ob es sich da um eine Wunderpfanne oder ein Zaubermesser handelt, ist egal, ebenso wie bei den Fitnessgeräten, mit denen selbsternannte Profis arbeiten.

Um die Definition jetzt aber dennoch etwas enger zu fassen; lebensbereichernde Güter sind solche, die einem Menschen das alltägliche Leben oder besondere Situationen erleichtern, die man nicht, oder nur umständlich ohne sie machen könnte. Dinge, die einem das Leben vollstopfen hingegen, können nur etwas, wenn man sich darauf einlässt.

Ein handelsüblicher Nussknacker ist, zum Beispiel, etwas bereicherndes, wenn man viele frische Nüsse isst. Dabei ist es egal, ob in Zinnsoldaten-Form, eine einfache „Presse“, oder wie auch immer Nussknacker sonst so aussehen können. Ist dann allerdings noch ein Mini-PC drinnen, sowie ein Flaschenöffner, ein Korkenzieher und ein Feuerzeug außen darauf, so wird er zwar in vielerlei Hinsicht praktisch erscheinen, aber wenn man auch nur ein Werkzeug für den jeweiligen Zweck zu Hause hat, wird man schnell feststellen, dass man diesen Super-Nussknacker nicht zum Öffnen von Flaschen oder dem Entkorken von Wein benutzt, weil er einfach unpraktisch und unhandlich ist, sondern die dafür vorgesehenen Werkzeuge und damit wird er unnötig und „müllt“ einfach unser Leben zu.

Ich freue mich auf eure Kommentare – 1075 Wörter.
Have fun!

Die Kunst des Denkens

Ich habe bereits in einer Rome II-Folge darüber gesprochen, naja, angefangen und möchte das jetzt etwas weiter ausbreiten. Was ist ‘denken’ überhaupt? Wie denkt man richtig? Warum sind wir alle dazu fähig, aber nicht alle erlernen es? Wie kann man überhaupt denken lernen? Ich möchte aber vorneweg wieder darauf hinweisen, dass der Artikel aus der Recherche aus verschiedenen Quellen, aber zum größten Teil aus eigenen Denkprozessen entstanden ist. Ich erhebe also keinen Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit.

Zuerst müssen wir uns aber der Frage stellen, was ‘Denken’ überhaupt ist. Klar, es ist ein Prozess in unserem Kopf, aber was passiert dabei? Dazu möchte ich, einmal mehr, etwas ausholen. Denken ist ein abwägen oder überlegen verschiedener Optionen und Möglichkeiten in allen Situationen. Ganz egal, ob es dabei um eine Tätigkeit und deren Ausführung geht, oder ganz einfach um die Wahl der passenden oder richtigen Worte, die man zu jemandem sagen möchte. Ohne zu denken gäbe es relativ schnell folgende Aktionen beziehungsweise Reaktionen, die einfach angelernt und auf quasi Anfrage ausgeführt werden. Das kann man auch sehr schön mit den 4 Ebenen einer Aussage verknüpfen – also dem 4-Ohren-Modell (von Schulz von Thun), von dem manche bestimmt schon gehört haben. Grundsätzlich kann man mit dem Satz „Der Wasserkrug ist leer.“ vier Interpretationen verbinden. Einerseits natürlich kann ich mir denken, dass die Person möchte, dass ich den Krug auffülle. Es kann in zweiter Hinsicht auch Kritik an mir sein, die ich so verstehen kann, dass ich zu dumm/langsam/unaufmerksam bin, den Wasserkrug rechtzeitig aufzufüllen. Ich kann mir in dritter Ebene aber auch selbst offenbarend klar machen, welchem Menschen ich gegenüber sitze. Ist er durch diese Aussage vielleicht Faul in meinen Augen, weil er den Krug nicht selbst auffüllt? Kommandiert er gerne herum? Was denkt er sich selbst dabei, wenn er diese Aussage macht? Zu guter Letzt kann es auch einfach eine reine Information sein, die ich einfach so stehen lassen kann – wie den Krug – weil sowieso keiner mehr Wasser möchte.

Beim Denken kann ich also zum Beispiel zwischen diesen vier Optionen unterscheiden. Natürlich ist das bei weitem nicht alles und die Selbstoffenbarungsebene ist bei diesem Beispiel eine eher ungünstige Möglichkeit, auch, wenn gerade Philosophen gerne dazu neigen, sich dieser Ebene in den absurdesten Alltagssituationen zu bedienen. Hat man aber automatisch den Reflex, dass man auf den Satz „Der Wasserkrug ist leer.“ aufspringt und den Krug erneut befüllt, denkt man darüber nicht mehr nach, sondern lässt eine angelernte oder eingeübte Abfolge an Aktionen erfolgen, die der Körper vielleicht schon fast von selbst erledigt.

Man kann also sagen, Denken ist die Fähigkeit, seine Optionen abzuwägen und die, dem Anschein nach, klügste oder beste Möglichkeit zu wählen. Demnach ist das Gegenteil von Denken nicht Dummheit, sondern eher die Unfähigkeit oder der Unwille, die eigenen Entscheidungen zu durchdenken. Das kann vielerlei Ursachen haben, liegt zumeist aber daran, dass diese Menschen als Kinder alles vorgelegt bekommen haben, sich von klein an an strikte Regeln haben halten müssen, zu naiv erzogen wurden und einfach dem schlagkräftigsten Argument nachlaufen – sprich, sie mussten sich nie wirklich selbst entscheiden.

Jetzt wissen wir also, in welchem Radius wir uns bewegen. Wir haben definiert, was Denken ist und was das Gegenstück dazu ist – zumindest in einem für uns ausreichenden Ausmaß. Die nächste Frage, die sich an diesem Zeitpunkt (zumindest mir) aufdrängt, lautet: „Kann man Denken jetzt lernen oder nicht?“

Grundsätzlich ja, man kann lernen, zu denken. Viele erlernen das automatisch im Laufe ihrer Kindheit oder frühen Jugend. Andere steigen erst etwas später auf diesen Zug auf, da sie bis zu einem gewissen Punkt von ihren Eltern auf Schritt und Tritt behütet wurden und ihnen damit keine Wahl in dieser Form gelassen haben. Es ist in jedem Fall ein langwieriger Prozess, der in der Kindheit definitiv weniger auffällt, als bei Erwachsenen. Wir rechnen Kindern grundsätzlich und vorsätzlich weniger hohe Intelligenz an und sind dabei oft erstaunt, wenn sie Dinge können oder wissen, die wir ihnen in ihrem Alter gar nicht zutrauen würden. Es fängt mit wirklich banalen Dingen an, wie zum Beispiel „Binde ich mir heute wieder den rechten Schuh zuerst zu, oder fange ich heute Mal ausnahmsweise mit dem linken an?“ Man kann also auch sagen, dass Denken uns das ausbrechen aus „altbewährten“ Bahnen ermöglicht und uns damit Neues sehen lässt. Natürlich ist das beim Schuhe zubinden nicht unbedingt spannend, aber beim Weg zur Schule oder zur Arbeit kann man vielleicht schon das eine oder andere positive Erlebnis haben, in dem man einfach einen Weg entdeckt, mit dem man sich vielleicht fünf Minuten spart oder an einem Bäcker vorbeikommt, den man vorher vielleicht nicht einmal kannte und bei dem man sich dann täglich Frühstück holen kann.

Denken ermöglicht es uns Individuell zu werden, nicht den allgemein gültigen Bahnen, wie auf Schienen, zu folgen, sondern einfach Mal vom Weg abzukommen und unser Leben neu zu gestalten. Wer sich jetzt denkt „Diese Beispiele sind doch Blödsinn und niemand denkt dabei nach.“, der sollte vielleicht Mal darüber nachdenken, ob diese Beispiele wirklich so dumm sind, wie sie am ersten Moment erscheinen, aber ich gehe auch hier direkt darauf ein. Wer sich diese Fragen nicht beantworten kann, wird langfristig kaum Entscheidungen treffen können. Setzt man eine solche Person in ein Restaurant und lässt ihr freie Wahl auf der Speisekarte, so wird sie sich mit sehr, sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein Gericht aussuchen, welches er/sie kennt und von dem er/sie weiß, dass es ihm/ihr schmeckt. Experimente, die Entscheidung etwas neues zu versuchen wird wohl kaum im Raum stehen. Natürlich sind nicht alle, die sich immer im Restaurant dasselbe bestellen, Gedankenlos. Manchen schmeckt auch einfach das Lieblingsgericht so gut, dass sie etwas anderes gar nicht in Erwägung ziehen, weil es ihnen nie so gut schmecken kann, wie eben jenes Leibgericht.

Man kann diese Beispiele jetzt ins Endlose fortführen, aber das überlasse ich lieber eurer Fantasie und euren Denkprozessen. Abschließend möchte ich noch sagen, dass nicht jeder, der nicht so entscheidet, wie ihr es in einer Situation tun würdet, nicht denkt. Vielleicht hat er nur andere Voraussetzungen oder Erwartungen als ihr und entscheidet sich deswegen anders. Hinterfragt also auch Entscheidungen von anderen und versucht, zu verstehen, warum diese so denken oder diese Entscheidung getroffen haben.

Wortlänge 1025 ohne diesen Endabsatz. Ich freue mich über Kritik, Feedback, Meinungen, Ergänzungen, etc. in den Kommentaren.

Have fun!

Die (Un-)Gunst der Idiotie

Ich habe vor einiger Zeit angekündigt einen Artikel über Dummheit und vorzeitiges Aufgeben zu schreiben. Dieser folgt nun endlich, nach ziemlich langer Aufbereitungszeit. Ich habe immer wieder Dinge korrigieren und ausbessern müssen. Dies war nun der bislang aufwändigste Artikel der Philosophie-Rubrik. Vor allem zeichnet er sich dadurch aus, dass es einen relativ langen Denkvorgang gibt, bevor es zum eigentlichen Thema kommt.
Viel Spaß damit!

Wahrscheinlich wird dies bis zu einem gewissen Grad jeder von euch kennen, aber mir ist es vor einigen Tagen erst bei meinem Besuch auf einem öffentlichen Amt wieder aufgefallen. Da gibt es Menschen, die ab einem gewissen Punkt aufgeben und einfach nicht mehr weiterkommen wollen oder können. Doch dadurch, dass es andere Menschen gibt, die weiterkommen und sie dadurch überholen, fallen sie immer weiter im Leben zurück. Es gibt da einige spezielle Kandidaten und viele davon findet man in der mittleren und unteren Bevölkerungsschicht, denn die wenigen, die in den oberen Rängen anfangen, so zu leben, werden relativ schnell abgefangen, beziehungsweise fallen in die unteren Ränge ab. Aber was genau meine ich damit und wie sieht dieser ‘Motivationsverfall’ aus?

Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten, dieses ‘Aufgeben durch Idiotie’ zu bewerten. Es gibt die Klassiker, die einfach dadurch, dass sie ein Ziel sehen, aber den Weg dorthin nicht finden, zu schnell aufgeben und durch die Niedergeschlagenheit andere Ziele gar nicht erst in Angriff nehmen wollen. Versteht mich jetzt bitte nicht falsch, aber diese ‘Idiotie’ ist Faulheit und kann uns alle betreffen – mich trifft sie auch manches Mal. Man sucht sich einfach einen Weg und geht ihn, bis zu einem Hindernis. Wenn man da nicht die Augen nach einem Umweg oder sogar einer möglichen Abkürzung offen hält, kann man allerdings relativ schnell die Kehrtwende einläuten und nach Hause gehen. Wenn man jetzt an einem solchen Hindernis umdreht, hat man versagt, das Gefühl macht sich breit und man verliert, wie schon einmal erwähnt, die Motivation, einen neuen, anderen Weg auszuprobieren, oder sogar denselben noch einmal zu starten.

Wenn ihr treue Leser seid, merkt ihr nun bestimmt schon, dass der Artikel stark in Richtung eines alten Artikels geht – und zwar “Die eigenen Grenzen überwinden”, und in gewisser Weise hat es damit auch zu tun, allerdings geht es dieses Mal um diejenigen, die Umdrehen und nicht weitergehen. Leider gibt es immer wieder Fälle, in denen beim geringsten Widerstand aufgeben und dementsprechend rumliegen. Doch irgendwie müssen sie weiter durch das Leben kommen und spätestens dann stoßen sie immer wieder auf ihr altbekanntes Problem – ein Hindernis, welches sich nicht so leicht aus dem Weg räumen lässt und als erfahrene Aufgeber machen sie das einzig erlernte – aufgeben.

Spannend dabei ist auch der Sinn der Gerechtigkeit und das Verständnis für Logik dadurch leicht verdreht werden. Diese Personen bekommen oft den Eindruck, dass die Welt sie Ungerecht behandelt und alle anderen bevorzugt. Insofern ist es dann nicht verwunderlich, dass sie immer öfter in Depressionen verfallen, bis sie eines Tages entweder in Wut ausbrechen und rumwüten oder der Trauer verfallen und den Freitod wählen. Eine weitere Möglichkeit, diesen Frust abzulassen, bevor es so weit kommt, ist das Zuschieben der Schuld auf andere Personen oder Personengruppen. Oftmals werden dafür ethnische Minderheiten oder gesellschaftliche Randgruppen ‘missbraucht’. Auch die Politik nutzt dieses Verhalten gerne, um gewisse Bevölkerungsgruppen schlecht zu machen oder aus dem Land zu jagen. Aber das bringt uns wieder in andere Thematiken, die ich dieses Mal eigentlich nicht behandeln wollte.

Jetzt stellt sich aber die Frage, was kann ich tun, wenn ich an ein solches Hindernis komme, wo ergeben sich Vorteile darin, aufzugeben und wo sind die Nachteile? Bevor ich jetzt gelyncht werde, weil ich Vorteile im Aufgeben suche, lasst mich bitte erklären, denn das ist wohl durchdacht und basiert auf vielen persönlichen Erfahrungen, aber auch aus Erzählungen und Gleichnissen. Der erste – und vermutlich auch größte – Vorteil beim aufgeben besteht daraus, dass man auf Distanz gehen kann. Man kann seinen Weg und das Hindernis überdenken und eventuell neue Wege finden und Pläne schmieden. Wenn man diese Fähigkeit hat, diese Distanz zu seinem Vorteil zu nutzen, hat man schon halb gewonnen – man hat ja schließlich immer noch sein Ziel und kann es verfolgen. Noch ein Vorteil darin findet sich dadurch, dass man sein Ziel an sich nochmal überdenken kann. Vielleicht ist das Hindernis für mich selbst wirklich unüberwindbar, weil mir einfach eine bestimmte Fähigkeit fehlt, die ich hier benötige. Sei es, zum Beispiel bei mir, die monotone Stimme, die ich loswerden musste, als ich mit den LPs angefangen habe. Im Moment schlägt hier ja auch wieder etwas die Lautstärke durch… …improvement incoming!

Doch leider schlagen die Nachteile etwas mehr aus, in diesem Zusammenhang. Das beginnt beim bereits erwähnten Gefühl, ungerecht behandelt zu werden. Das kann relativ schnell jeden Menschen erhaschen, denn Zweifel an den eigenen Fähigkeiten, würde heißen, Zweifel an uns selbst oder sogar an den “Lehrmeistern” zu haben, bei denen wir eben jene Fähigkeiten er- und gelernt haben. Dass wir nämlich die Schuld gerne auf andere abgeben, ist ein grundsätzliches Verhaltensmuster der Menschen der heutigen Zeit und es lässt sich leider sehr selten mit unserem Gewissen vereinbaren, dass wir eben jenen Menschen Schuld zuweisen, denen wir unser Wissen verdanken (außer wir hegen aus einem anderen Grund Groll gegen sie). So muss man die Schuld beim Schicksal suchen und sich dementsprechend herausreden.

Anmerkung des Abseudus: Die Zahlen im kommenden Absatz sind sehr, sehr grob geschätzt und basieren auf Durchschnittsrechnungen verschiedener Forschungsarbeiten.

Wie jedoch wirkt sich das jetzt auf die (Un-)Gunst der Idiotie aus? Prinzipiell erst mal gar nicht, es liegt im Moment noch immer bei allen Menschen, ein solches Schicksal erleiden zu können. Spannend wird es erst in dem Moment, in dem wir diesen Menschen nicht mehr als durchschnittlichen Denker (also gefühlte 98 % der Weltbevölkerung – ja auch ich) darstellen und auch nicht als Teil des halben Prozents (0,5 %) der Intellektuellen konzipieren, sondern als Teil der eineinhalb Prozent (1,5 %) der Menschen, die nicht richtig Denken gelernt haben. Damit meine ich jetzt nicht etwa geistig behinderte oder eingeschränkte Menschen (diese gehören zu den 98 %), sondern jene, die eigentlich voll intakte Gehirnstrukturen haben, jedoch nie gelernt haben, diese richtig zu benutzen. Diese Menschen leben, wie oben erwähnt, in allen Bevölkerungsschichten und werden nur selten aufgefangen und dementsprechend ‘unterwiesen’ – das meist nur in den oberen Bevölkerungsschichten – sondern werden einfach im Stich gelassen. Es ist der Anteil, der oftmals mit vielen Klischees behaftet wird, welche von vielen Fernsehsendern, Institutionen und (Ma)Kabarettisten nur zu gerne überspitzt zerfleischt wird.

Diese Art von Menschen können, entgegen der Behauptungen vieler Lehrer der jeweiligen Region, einfach nicht mit ihren Gedanken umgehen, da sie von klein auf eigentlich nie gefordert wurden – also durch, zum Beispiel, die Eltern, Großeltern, Verwandte – und für die auch im ‘normalen’ Kindergarten- und Schulsystem keine Zeit war, weil sie eben nie wirklich aufgefallen sind, oder Potential gezeigt hätten. Sie waren meist leicht unter den durchschnittlichen Leistungen oder sogar mehr als nur gefährdet, ein Jahr zu wiederholen. Um es in etwa auf den Punkt zu bringen, handelt es sich hierbei um den ‘klassischen’ Vollidioten oder, wahlweise, Dorfdepp, der nichts, aber auch gar nichts, auf die Reihe bringt – Interessanterweise sind es aber exakt jene Menschen, denen auswendig lernen sehr leicht fällt, dafür vergessen sie aber auch verdammt schnell. Es gibt die Theorie im Netz (mehrere Verfasser und keine wissenschaftlichen Beweise), dass das daran liegt, dass gewisse Gedankenstrukturen einfach fehlen.

Bei Soziopathen fehlen, biologisch gesehen, gewisse Verbindungsbrücken zwischen den Gehirnhälften. Dadurch sind sie nicht in der Lage, Mitgefühl zu empfinden, geschweige denn, selbst Emotionen zu entwickeln – das ist allerdings erwiesen.
Bei den weniger intellektuell Bestückten, von denen wir hier sprechen, geht die oben genannte Theorie davon aus, dass sie gewisse Denkstrukturen oder -muster nie wirklich erlernen konnten, da ihnen das nötige Training durch visuellen, auditiven oder eben audiovisuellen Input fehlt – teilweise auch Mangels Training der motorischen Fähigkeiten oder der übrigen Sinne. Dieser Theorie schließe ich mich für den Moment dieses Artikels (also nur vorläufig) an, einfach um zu sehen, wie es sich auswirkt.

Beginnen wir nun also mit der Aufstellung. Wenn sich dieser Mensch auf den Weg macht, um ein Ziel zu erreichen, wird es wohl selten ein höheres sein, als das eigene Überleben oder der eigene Vorteil. Das bewusste Verlangen nach einem Vorteil für andere wird dieser Geist nicht kennen – also eine Kleinigkeit, die er mit dem Soziopathen gemein hat. Allerdings ist das auch die Einzige, denn im Gegensatz zum Soziopathen kann der vermeintliche Idiot Gefühle und Mitgefühl empfinden, nur wird er es nicht ausleben. Steht er nun aber auf seinem Weg vor einem der Probleme, die die anderen Menschen entweder lösen können oder eben nicht, steht dieser Mensch erst Mal da und wundert sich, warum es nicht weiter geht und sagt – mehr zu sich selbst – dass es doch hier irgendwo einen Weg geben müsste.

Ich denke, ihr versteht langsam, worauf dieses Modell, diese Theorie, hinaus will und wo dieser Artikel hinführt. Da kann es jetzt natürlich auf mehrere Weisen fortgesetzt werden. Beginnen wir zunächst damit, dass die Person das Hindernis überwindet – einfach, weil wir letztes Mal auch damit angefangen haben. Will dieser Mensch also das Hindernis aus dem Weg räumen, oder sich daran vorbei mogeln, wird er relativ schnell erfolgreich sein, da das Hindernis entweder stumpf genug ist, oder er ein solches Problem schon einmal hatte. Andernfalls wird er erst einmal davor stehen bleiben. Es wird sehr, sehr selten vorkommen, dass diese Menschen enttäuscht abziehen, oder gar auf Distanz gehen, um das Problem aus der Distanz zu betrachten. Wenn nun aber kein Erfolg eintritt, werden sie Ewigkeiten da stehen können und weder glücklich noch traurig sein, sie werden in einen Trott verfallen und sich, vor dem Hindernis im Kreis bewegen. Entweder, sie bleiben hier stehen, oder jemand anderes kommt und löst ihr Problem.

Wenn sie es nicht schaffen, bleiben sie eben einfach hier und genau an diesem Punkt zeigt sich die Ungunst der Idiotie. Es geht darum, vor einem Problem zu stehen, dieses zu sehen, es aber nicht als Problem erkennen zu können. Das macht es diesen Menschen unmöglich, es zu lösen. Sie nennen es vielleicht im Gespräch mit anderen sogar ein ‘Problem’, aber sie sehen es selbst, in ihren eigenen Weltbildern nicht als ein solches an und sind damit Unfähig, eine Lösung zu finden. Die Ungunst der Idiotie, wie ich sie nenne, zeigt sich hier darin, dass diese Menschen eine Ewigkeit hier verbringen können und sich ihrer Ausweglosigkeit nicht einmal bewusst sind. Sie sind glücklich, weil sie ‘kurz’ vor einem ihrer Ziele stehen und sehen nicht, dass sie es, nach aktuellem Stand, niemals erreichen werden. Gleichzeitig ist das aber die Gunst der Idiotie, da sie eben nicht in Depressionen verfallen, sondern ausgewogen oder sogar glücklich sein werden. Was bedeutet das aber nun für sie und für den Rest der Menschheit?

Nun, einerseits bedeutet das, dass einige viele Menschen ohne großen Aufwand glücklich sein oder zumindest werden können. Andererseits kann es auch große Enttäuschung bedeuten, falls sie jahrelang vor diesem Hindernis stehen und irgendwann, schlussendlich, durchbrechen und dann feststellen, dass es gar nicht das Ziel war, dass sie sich vorgestellt hatten. Für die anderen Menschen bedeutet es wohl, dass sie anderen den Weg frei machen können und dürfen, wenn sie die Menschheit nach vorne bringen wollen, oder sie einfach versumpfen und vergammeln lassen, wenn wir als Menschheit nicht zusammenarbeiten.

Es ist dieses Mal sehr viel Vorlauf für ein sehr kurzes Thema, wie ich gestehen muss, denn es war mir sehr wichtig, euch einen gut recherchierten und strukturierten Artikel vorlegen zu können. Dementsprechend hat es auch ziemlich lange gedauert und es ist der längste, einteilige Artikel bisher. Es macht nur wenig Sinn ihn zu teilen. Falls ihr Fragen, Probleme, Anregungen, Diskussionsstoff etc. zu diesem Artikel habt, immer gerne in den Kommentaren oder via PN zB auf Sovy oder YT. Ich freue mich auf euer Feedback.

Have fun!