Kompetitiver E-Sport – Ein nicht erreichbares Ziel? (Teil 1 von 2)

Vorne weg sei gesagt, mir geht es mehr um die geistige Einstellung und die von vornherein feststehenden Absoluten in der menschlichen Psyche. Zusätzliche Faktoren und Variablen sind hier nicht inbegriffen und können sich dementsprechend auf das ‘Endergebnis’ auswirken.

Viele Jugendliche, die sich vermehrt mit League of Legends, DotA (2), Starcraft (II) oder anderen stark kompetitiven Spielen beschäftigen, haben oft den Wunsch oder Wunschtraum, möglichst weit in der Rangliste hochzuklettern oder sogar professionell ihr Lieblingsspiel zu spielen, davon zu leben und den zugehörigen Ruhm einzustreichen. Dabei ist dieser Traum oft größer, je weiter man unten ist, in den Rängen. Warum aber so viele daran scheitern, beziehungsweise gar nicht erst in die Nähe der Chance dazu kommen, möchte ich in diesem Artikel etwas unter die Lupe nehmen.

Natürlich sind dies wieder nur meine eigenen Gedanken und ich kann damit auch grundliegend falsch landen. Aber ich werde alle vorgebrachten Argumente und Beispiele so gut wie möglich beleuchten und erklären, wie ich zu diesem Gedanken gekommen bin.

Ganz am Anfang möchte ich erst einmal auf die persönliche Entwicklung eines Menschen bis zum Entschluss, dass er in dieser Rangliste nach oben klettern will, in betracht ziehen, hier werden nämlich schon rund 60 % des Potenzials entschieden. Ist der Betroffene ein Kämpfer, ein ausgeglichener Mensch, ein zäher Hund oder einfach nur ein schlechter Verlierer? Die ersten drei haben es je nach Charakteristikum “sehr leicht” bis “schwer, aber machbar”. Der Kämpfer holt einfach immer und immer wieder zum Schlag aus und spielt sein Spiel offensiv und dauerhaft, bis er endlich da ist, wo er hin will. Die zähe Sorte geht ähnlich wie der Kämpfer an die Situation ran. Er versucht es einfach immer und immer wieder, ist dabei zwar bei weitem nicht so offensiv und wartet oft einfach nur auf eine günstige Gelegenheit. Meistens braucht er länger (oft sogar wesentlich länger) als der Kämpfer, wenn er es aber Mal geschafft hat, hält er im Regelfall das errungene Niveau konstanter als der Kämpfer, der sich danach oft erst Mal “ausruht”.

Die ausgeglichenen Menschen sind von beiden ein bisschen. Einerseits können sie Kämpfer sein, andererseits aber auch extrem zäh. Dadurch, dass sich ihre Einstellung von Spiel zu Spiel ändern kann, sind sie wahnsinnig flexibel und haben, am Beispiel von LoL, zumeist auch den größten Championpool. Die meisten Menschen sind dieser ausgeglichene Typ und kommen sehr gut damit klar. Der nächstgrößere Faktor für diese sind das Training und die Aktivität. Sie müssen hart trainieren, kommen dafür aber relativ schnell vorwärts. Dann gibt es da noch die letzte ‘Grundeinstellung’ – ein schlechter Verlierer.

Diese Menschen haben es mit viel Abstand am Schwersten. Wenn sie verlieren, schlagen sie Wände ein, werfen Controller durch den Raum/an die Wand, schreien ihre Gegner – falls sie in Reichweite sind – an oder beschuldigen sie des Schummelns, Cheatens oder eines ‘unfairen Tricks’ innerhalb des Spiels (ja, auch das “jetzt lauern die uns schon wieder im Busch auf” zählt dazu – es ist erbärmlich, aber legitim und jeder der darauf reinfällt, ist selbst Schuld). Diese Art von Mensch arbeitet am härtesten an sich und sucht sich zumeist einfachere Wege, um irgendwie vorwärts zu kommen. Dabei verwenden sie aber viel Energie auf weniger effiziente Dinge wie Training (“das habe ich doch nicht nötig”) oder Übung (“ich spiele direkt gewertete Spiele, ich bin schon gut genug”) sondern viel mehr auf das zerstören von eben Gamepads, Tastaturen und Wänden.

Während sich die ‘Arten’ eins bis drei nach einer Niederlage an den Kopf fassen, Fehler bei sich selbst suchen und an sich arbeiten, werden hier einfach Dinge zerstört, die Schuld anderen gegeben und Drohungen und Beleidigungen fliegen in unnahbarer Anzahl an die Augen bzw. Ohren der gewinnenden Gegner. Leider fallen diese Spieler am häufigsten negativ auf, obwohl sie die Seltenheit sind. Oft sind es Spieler, die einfach einen schlechten Tag hatten und nach einer weiteren Niederlage einfach nicht mehr verkraften können. Leider ordnet man diese dann aber direkt dieser Kategorie hinzu.

Wie man sich jetzt genau in diese ‘Arten von Menschen’ einreiht? Naja, das wurde jeder von uns bereits. Dabei geht es um Erziehung, Ausbildung, die persönlichen Erlebnisse in der Kindheit und viele andere Dinge, die uns in der Entwicklung beeinflussen. Außerdem kommt noch die Grundbeschaffenheit durch die Gene dazu. Wir sind alle ab einem gewissen Zeitpunkt einer dieser Kategorien zugeordnet – es gibt natürlich einige Aspekte mehr, aber diese sind für das Gaming-Segment im Großen und Ganzen unwesentlich, da sie mit diesen vier – ich nenne es einfach Mal – Grundtypen kombinierbar sind oder sogar nur in Kombination auftreten.

Es entscheidet sich damit, ob man für den Wettkampf ‘geeignet’ ist, oder eben nicht. Man kann sich auch jeden dieser Charakterzüge bis zu einem gewissen Punkt antrainieren, wodurch die Grenzen sehr schnell verwischt werden können, andererseits gibt es aber von Natur aus sehr selten ‘reine’ Charakterzüge. Mit Disziplin, etwas Geduld und Selbstreflexion kann man herausfinden, welche Art von Mensch man ist – am besten fragt man aber nicht seine Freunde, da diese generell dazu neigen, einem die Welt schön zu reden. Wenn man das nun also zusammenfasst gibt es nur noch zwei große, übergeordnete Kategorien – kompetitive und nicht dafür geeignete Spieler.

Wie schon oben erwähnt gibt es natürlich immer die Chance sich die mangelnden Eigenschaften anzutrainieren, das benötigt aber viel Geduld und die dementsprechende Motivation. Woher ich das weiß? Ich war früher ein schlechter Verlierer erster Klasse. Wenn mich Freunde und Schulkollegen in Mario Kart, Mario Party oder Super Smash Bros. geschlagen haben, bin ich an die Decke gegangen. Selten hatte ich die Chance zu gewinnen, obwohl ich doch so viel gespielt habe und selbst gegen die härteste KI in den damaligen Spielen bestehen konnte. Ich hatte viel Glück und meine Freunde nahmen es mir nicht übel, sondern halfen mir zu verstehen – es geht nicht vorrangig um gespielte Zeit oder darum, immer den stärksten Move oder die besten Einheiten zu bauen, sondern darum, die Mechaniken eines Spiels zu verstehen und den Vorteil daraus zu ziehen.

Jedes Spiel hat dabei eigene Mechniken und Systeme, die man lernen, verstehen und ins Gefühl bekommen muss. Bei Starcraft geht es zum Beispiel ums Bevölkerungslimit, den Ressourcenabbau und den grundlegenden Basisbau, der in eigentlich jeder Strategie absolut gleich ist. In League of Legends betrifft es die verschiedenen Fähigkeiten der Champions, die spezifischen Rollen der Helden, die zugehörigen Gegenstände und die Kombination von all dem zu einer funktionierenden Mechanik. Dabei gibt es weniger komplexe Mechaniken ebenso wie die ‘Hölle auf Erden’. Ich werde am Beispiel LoL bleiben, da ich da die meiste Erfahrung habe, werde aber auch kurz auf Starcraft eingehen. Singed zum Beispiel ist mit relativ einfachen Mechaniken ausgestattet. Trotzdem ist es ziemlich schwer, ihn Fehlerfrei zu spielen, da man den Schaden, den man verursacht sehr schnell überschätzen und den, den man einsteckt, sehr leicht unterschätzen kann. Ein anderes Beispiel wäre Darius. Dieser ist eher im Mittelfeld des Skilllevels anzuordnen. Man kann auf jeden Fall viel Schaden mit seinen Fähigkeiten anrichten, jedoch nur dann wirklich dominieren, wenn man alle Fähigkeiten voll verstanden hat und sie dementsprechend einsetzen kann.

Neben diesen beiden ‘Schwierigkeitsgraden’ der Mechaniken, die leicht zu erlernen, aber schwer zu meistern sind, gibt es noch die dritte Stufe. Zu diesen würde in LoL Janna gehören. Sie ist einer von wenigen Champions, die von der Mechanik her extrem schwer zu meistern sind, aber kaum minder schwer zu erlernen. Bei ihr reicht es nicht einfach, die Sprüche nacheinander rauszuklopfen, man muss sehr taktisch und vorausschauend agieren. Cooldownzeiten sind hoch, man muss exakt treffen und wenn man sie falsch setzt, merkt man es erst, wenn es schon viel zu spät ist. Einen solchen Champion zu meistern, heißt noch lange nicht, dass man das Spiel beherrscht, aber immerhin, dass man die Mechaniken dahinter wirklich gut durchblicken kann.

Bei Starcraft würde es ungefähr so aussehen: Am einfachsten zu erlernen sind definitiv die Terraner. Sie haben die nachvollziehbarsten Gebäude- und Einheitennamen (jeder kann was mit einer Kaserne oder einem Marine anfangen – auch die, die eigentlich nichts mit Videospielen zu tun haben). Das Mittelmaß am Skillevel wären dann die Protoss und den Höchstlevel erreichen die Zerg (normalerweise würde ich an dieser Stelle an die verdammt starken Ähnlichkeiten zu Space Marines, Eldar und Tyraniden aus W40k hinweisen, welches schon ‘etwas’ früher erschienen ist, aber ich glaube, dieses Mal sehe ich davon ab – oh, Moment, Mist). Da ich aber nie sonderlich gut in Starcraft war, kann ich jetzt hier nur schreiben, was ich durch andere Strategiespiele, die ich gespielt habe, dazu ableiten kann.

Die meisten Spiele könnte man in einfachen Zahlen ausgeben – aber was wäre ein solches, kompetitives Spiel ohne die grafische Oberfläche darüber? Richtig! Langweilig. Selbst Schach könnte man nur mit Buchstaben und Zahlen spielen – ohne Feld, ohne Figuren, aber es wäre unnötig kompliziert und abgesehen davon würde das Spiel keiner spielen wollen, weil man einfach nichts sieht – irgendwie krank, die Menschheit. Je einfacher, desto besser.

Natürlich kommt es auch viel auf den Spielertyp drauf an – ein klassischer Kämpfer wird mit den Protoss herzlich wenig anfangen können, da er einfach zu wenig Einheiten zum ‘jonglieren’ hat; er würde mit den Zerg wohl viel besser dastehen. Ein eher zäher Spielertyp würde wohl hingegen mit den Terranern oder Protoss ziemlich gut dastehen. Beide bieten gute Möglichkeiten, die Gegner auflaufen zu lassen (die Zerg natürlich ebenso, es benötigt aber mehr Zeit als bei den Terranern).

Wenn man dann diese Mechaniken hinter einem Spiel verstanden hat, dann geht es um den eigentlich wichtigen Teil – wie wird man besser und wie kann ich meine, durch meinen Spielstil oder Charaktertyp entstehenden Nachteile ausmerzen und damit erfolgreich werden?
Es wird keine “Komplettlösung” zum Erfolg geben, aber die grundlegenden Aspekte werde ich aufgreifen.

~Fortsetzung folgt~
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Have fun!

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