Serientäter – Mörder ohne Grenzen (Teil 2 von 2)

Nach einer verdammt langen Pause kommt jetzt endlich Teil 2 der Serienmörder-Runde. Die Sommerpause und der Wiedereinstieg in die LPs haben mich etwas ausgebremst, was das Philosophische angeht.

Letztes Mal habe ich mich unter anderem mit den Umständen beschäftigt, die Menschen dazu bringen können Serienmörder zu werden, beziehungsweise die Voraussetzungen unter denen er den Mord genießen kann und das zumeist auch so plant. Meist werden Serienmorde von Einzeltätern ausgeführt, oder zumindest nimmt man das an. Persönlich glaube ich aber, dass die meisten Serientaten von zwei oder mehreren Menschen durchgeführt werden. Schließlich geht es um einen immensen Aufwand und nicht jeder Mensch kann alles gleich gut, beziehungsweise alles alleine vorbereiten und berücksichtigen.

Deswegen möchte ich jetzt mit den klassischen Gruppen von Serienmördern beginnen. Meist bestehen sie aus drei Menschen – einem Dominanten, der die Gruppe zusammenhält, das haupttreibende Element ist und genug gegen die beiden anderen in der Hand hat, um sie zum ständigen weitermachen zwingen zu können. DAnn gibt es den Unterworfenen. Dieser hat meist selbst den Drang nach Blut oder Tod, kann es aber aus irgendeinem Grund nicht selbst umsetzen. Das kann an mangelndem Selbstbewusstsein, fehlender Intelligenz oder einfach nur an Schüchternheit liegen. Er braucht den Dominanten Teil um überhaupt irgendetwas machen zu können. Die dritte Person liegt dabei zumeist irgendwo dazwischen, hat genug Selbstbewusstsein um die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, es fehlt aber der Anreiz etwas zu unternehmen. Er steht im Rang meist zwischen dem Dominanten und dem Untergebenen, handelt aber auch im eigenen Interesse und kann so das Vorgehen des ‘Big Boss’ untergraben oder zusätzlich fördern.

Bevor ich jetzt fortsetze, möchte ich nochmal darauf hinweisen, dass dies die klassische Konstellation ist. Es kann auch Abweichungen geben, entsprechend der Anzahl der Menschen, beziehungsweise der speziellen Charakteristik. Wenn es nur zwei sind, gibt es meist nur den Dominanten und den Untergebenen, sind es mehr kann es von allen Beteiligten mehrere oder sogar gar keinen geben – nur Dominanten gibt es zumeist nur einen. Selbst in diesem Metier sind Machtkämpfe innerhalb der Gruppe ungern gesehen und werden vermieden. Schließlich will jeder seine Mordgelüsten bei jedem Opfer ausleben. Ihr seht jetzt schon, dass diese Angelegenheit sehr viel komplizierter wird, wenn man eine Gruppe voraussetzt. Leider denke ich aber, wie oben bereits erwähnt, dass die meisten großen Serienmorde von Gruppen begangen wurden. Zum Beispiel auch die Morde von ‘Jack the Ripper’.

Ich habe ja im letzten Teil erwähnt, “Jack the Ripper – Anatomie einer Legende” gelesen zu haben. Trotz, oder vielleicht auch gerade wegen, der subtilen Vorgehensweise, glaube ich, dass es sich um mindestens drei Mörder gehandelt haben muss. Es scheint bei manchen Morden nämlich unmöglich, die Opfer an bestimmte Positionen zu bringen oder einfach ein solches Massaker an einer einzelnen Person auszuführen. Mit so vielen Messerstichen, wie die Opfer des Rippers kommt ein einzelner Mensch normalerweise nicht klar. Es braucht wahnsinnig viel Kraft ein Messer dreißig Mal oder öfter in Fleisch zu stechen – noch dazu mit den Knochen dazwischen. Als Koch weiß ich, wie schwer das oft schon nach dem zehnten bis fünfzehnten Stich wird, wenn man ein Tier zerteilt.

Noch dazu gibt es bei den meisten Morden ein Ritual und das entwickelt sich ständig weiter. Eine einzelne Person würde wohl kleine Details verändern, aber nie ein ganzes Ritual auf den Kopf stellen. Zumindest wenn man nach dem aktuellen Stand der Kriminologen geht, dass Serienmörder ihre Taten einfach immer und immer wieder durchleben wollen. Die Opfer müssen sich genauso ähneln wie die Fundorte, die Todesursache und das Ritual ansich. Wenn es allerdings eine Gruppe ist und nicht jeder jedes Mal dieselbe Aufgabe hat, weil – zum Beispiel – das Opfer sich stärker wehrt, dann kann man vom Ritual abweichen. Doch solange man nicht einen dieser Täter schnappen kann und ihn zum reden bringt und zwar so, dass es auch ein nicht gestörter Mensch versteht, wird man die Beweggründe nur bedingt oder gar nicht verstehen.

Als nächstes möchte ich einen Blick auf die Menschen werfen, die bei dieser Faszination leider oftmals viel zu kurz kommen, über die eigentlich viel mehr geschrieben und publiziert werden müsste, es aber aufgrund von Respekt und Schutz der Angehörigen nicht geschieht – die Opfer. Meist sind es – bei allen Gewaltverbrechen – einfach nur Menschen wie du und ich. Sie haben keinen besonderen Bezug zum Mörder oder kennen ihn gar nicht erst. Nur das erste Opfer ist für den Serientäter etwas besonderes. Der Rest dient meist nur zum Wiedererleben des Moments. Dafür sucht sich der Täter (natürlich auch die Gruppe, werde aber im fortlaufenden Text nur noch von “dem Täter” schreiben) Menschen aus, die seinem ersten Opfer sehr ähnlich sind. Dabei geht es nicht nur um Aussehen, sondern oft auch um ein bestimmtes Hobby oder einen bestimmten Tagesablauf.

Auch der Besitz eines für den Täter pikanten Gegenstandes kann schon Auslöser genug sein. Er möchte sich einfach an den Moment des ersten Mordes zurückversetzt fühlen. Dabei sind es gerade die Opfer der Täter, denen die eigentliche Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Selten, aber hin und wieder doch, überlebt es jemand und kann davon berichten. Ich beneide diese Menschen in keiner Form und kann auch nicht mehr tun, als mein Mitleid für sie und mein Beileid für die Angehörigen auszusprechen. Wenn ich Tote zurückholen könnte, würde ich diesen Artikel hier nicht verfassen. Diese Menschen haben oft ein erfülltes und glückliches Leben. Auch das erste Opfer des Täters hat dies zumeist. Sie werden in einen Alptraum gerissen aus dem sie nie wieder erwachen werden. Sie können sich, wie viele andere auch, nicht von ihren geliebten Mitmenschen, ihrer Familie oder ihren Freunden verabschieden. Von einem Moment auf den anderen sind sie weg und das letzte was sie sehen ist das Gesicht des Mörders, wenn er es zulässt und das letzte was sie hören ist die Stimme ihres Henkers.

Ich weiß das alles und frage mich, woran ich denken würde, wenn meine letzten Momente vor mir stehen und ich dem Tod ins Auge sehe. Diejenigen, die mein LOKI-LP verfolgt haben wissen, dass ich das bereits einmal habe und ich weiß auch, woran ich damals gedacht habe. Ich fand damals, dass es die beste Wahl sei, wenn ich das heute allerdings überdenke, stelle ich fest, dass ich ein Idiot war und weder einen schönen, noch einen trostspendenden Gedanken hatte. Ich dachte einfach nur “Jetzt ist es vorbei. Das war’s.”

Ich weiß nicht, wie es in den Köpfen anderer Menschen kurz vor ihrem Tod aussah und es fällt auch schwer, danach zu fragen, aber ich hoffe, dass man vor seinem Tod nicht in Panik, um sein Leben bettelnd oder gar darum kämpfend dahinscheiden muss, sondern von jemandem umgeben ist, den man liebt oder zumindest mag, dem man seine letzten Worte anvertrauen kann, ohne dass er sie vergisst. Denn wenn die Menschen denken, dass du stirbst, hören sie dir richtig zu, anstatt nur darauf zu warten, dass sie dran sind mit reden. Zeigt also beim nächsten Mord nicht nur Interesse daran, wer der Täter ist, sondern auch, wer das Opfer war. Niemand hat es verdient so zu sterben.

Zum Abschluss geht es noch an die Polizeiarbeit bei Serienmorden. Diese gestaltet sich vor allem nach dem zweiten Mord meist als besonders schwierig. Geht man nach dem ersten Mord mit einer Handschrift erst einmal von einer Einzeltat aus, kann man sich ab dem zweiten Opfer nicht mehr sicher sein, wie viele davor vielleicht schon getötet wurden. Daher stellt das immer eine immense Herausforderung an die Polizei dar. Viele Fälle verlaufen im nichts und nur wenige werden zu einhundert Prozent aufgeklärt, was unter anderem daran liegt, dass die vollständig geklärten Morde meist nur mit Hilfe von geschnappten Komplizen oder dem Täter selbst gelöst werden konnten. Auch hier bewegt man sich allerdings in einer verdammt großen Grauzone.

Heute gibt es zum Glück Sondereinheiten, die sich mit den Psychologien von Tätern auseinandersetzen und deren Verhalten studieren. Auch, wenn man bisher wenige geregelte Gleichheiten gefunden hat, gibt es zumindest grobe Übereinstimmungen in den Denkmustern dieser Menschen und die meisten dieser Denkmuster tauchen auch in den Köpfen von Spitzenmanagern auf. Es gibt dazu eine Studie, wer sich dafür interessiert, findet hier einen Artikel mit Denkanstößen Klick mich!.

Des weiteren sind es oftmals kleine Gruppen, die diese Taten verüben und meist sind sie in der Lage sich gegenseitig zu decken. Wenn man hier eine kleine Unregelmäßigkeit übersieht, dann kann es sein, dass solche Täter den Rest ihres Lebens auf freien Fuß verbringen können, weil ein Mensch, menschlich wie er eben ist, einen Fehler begangen hat. Das passiert selbst den besten Kriminologen hin und wieder. In der heutigen Zeit gibt es aber zum Glück auch schon viele technische Möglichkeiten einen Täter zu überführen und ihn dementsprechend hinter Gitter bringen zu können. Dank unserer Bürokratie dauert es oftmals aber mehrere Jahre. Selbst wenn also die Polizeiarbeit fruchten sollte, heißt dies nicht, dass der Täter auch direkt seine gerechte Strafe erhält.

Die meisten Abläufe, wie sie in der Wirklichkeit passieren kenne ich selbst nicht und bin ehrlich gesagt auch froh darüber, denn wenn alles so traumhaft und reibungslos wie im Fernsehen passieren würde, hätten wir keine Verbrecher mehr – denkt man zumindest. Leider ist dies nicht der Fall, denn selbst wenn man auf einmal alle psychisch angeschlagenen Menschen wegsperren – oder schlimmeres – würde, wären doch diejenigen, die es zu verantworten haben die psychologen der neuen Gesellschaft. Solange sich diese Menschen nicht selbst gegenseitig ausräuchern, wird sich der Kreis ewig weiterdrehen und leider haben diese Menschen einen weitaus besseren Selbsterhaltungstrieb als der Mob, der als Schaulustige beim Tatort hängen bleibt. Wenn ihr also wieder Mal an einer Stelle vorbeikommt, an der sich Schaulustige versammelt haben – helft oder geht weiter, aber bleibt nicht einfach nur stehen.

Insofern möchte ich hier abschließen. Ich bedanke mich für die Ausdauer beim Lesen und möchte nochmal darauf hinweisen, dass ihr alle Rechtschreibfehler, die ihr findet, behalten dürft. Schreibt mir doch bitte eure Meinungen dazu in die Kommentare oder via PN (hier oder auf YT).

1587 Wörter – Have fun!

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