Vollgestopftes oder eher bereichertes Leben?

Wir erleben in der heutigen Zeit jeden Tag so vieles, dass wir uns teilweise wohl eher verschanzen und einigeln sollten, um dem stetigen Informationsfluss zu entkommen. Wobei das nicht alles ist, wovor wir uns verstecken sollten, es gibt einfach irre viele Dinge, auf die man getrost verzichten könnte, wenn man denn wollte, eventuell sparsamer umgeht oder seine Zeit sinnvoller nutzen möchte. Klar, man hat vermutlich mindestens einmal am Tag eine Phase, in der man sich sagt: „Jetzt habe ich genug“, aber wie viele setzen sich dann irgendwo weg oder können das überhaupt? Deswegen möchte ich das heute etwas beleuchten.

Grundsätzlich gilt, dass wir in der heutigen Zeit andere Lebensstandards haben, als es noch vor 20 oder 30 Jahren der Fall war. Wir haben den PC, Smartphone, Tablet und zugehörige Abwandlungen wie Konsolen serientauglich und familientauglich gemacht. Fast jede Familie hat einen PC, oder zumindest einen Laptop oder ein Tablet , nur wenige haben noch keine Spielekonsole zu Hause stehen – zumindest die Kinder haben diese Geräte fest im Griff und können damit auch ziemlich gut umgehen.

Aber nicht nur im technischen Bereich, auch in anderen Lebenssituationen werden wir abgefüllt, bis nichts sinnvolles mehr hinein passt. Sei es durch ‘billige’ Zeitungen und Zeitschriften oder durch schiere Blödheit aus Langeweile. Wir Menschen der westlichen Zivilisation haben einen Punkt erreicht, an dem wir wohl eher Rückschritte machen, zumindest, was die breite Masse angeht. Innovationen in der Form, in der wir sie kennen, gehen zumeist von großen Firmen aus, nicht mehr von einzelnen Denkern, die irgendwo im Anbau oder in der Garage des eigenen Hauses etwas entwickeln. Dafür sind viele Dinge des heutigen Lebens zu komplex.

Abgesehen davon wird vermutlich auch vieles durch Medien verwaschen oder nur ungenau erörtert. Solange man die Masse ruhig halten kann, sei es durch Angst vor Terrorismus oder durch Euphorie vor großen Veranstaltungen, ist das Volk schließlich still und wen interessiert es schon, wer genau jetzt was erfunden hat? Aber das ist ein anderes Thema und hätte vermutlich auch einen eigenen Artikel verdient (bekam es auch, zumindest zum Teil, nämlich hier „Der Einfluss der Massenmedien“).

Aber was sind jetzt solch unnötige Dinge? Es sind oft einfach Gegenstände, die man das ganze Jahr über herumliegen hat, ohne sie auch nur einmal anzusehen. In meinem Fall wären das zum Beispiel bestimmte Spiele, die in meinem Regal stehen, die ich aber noch nie gespielt habe – oder zumindest nicht weit. Jemand anderes könnte wohl wesentlich mehr damit anfangen, als ich. Aber das sind nur kleine Kratzer an dem großen Ball. Ein wesentlich größerer Brocken davon stellt das aktuelle Fernsehprogramm dar. Dort wird nicht mehr abgebildet, was wichtig ist, sondern vielmehr wird etwas abgebildet, damit man glaubt, es sei wichtig – und es gibt einfach nicht genug wirklich Relevantes, wenn die einzelnen Fernsehsender nicht alle dasselbe Programm ausstrahlen wollen. Da kommt aber auch die eigentliche Frage – braucht die Menschheit das alles? Brauchen wir gefühlt 200 Fernsehsender, die alle Scripted Reality oder nur Hollywood-Blockbuster ausstrahlen? Und das mit mehr Werbeunterbrechungen als es Fernsehsender gibt? Und wann ist es eigentlich nützlich oder unnötig? Wer entscheidet das?

In erster Linie sollte das wohl jeder für sich entscheiden – eine „allgemeine Regelung“ dafür aufzustellen, wäre wenig sinnvoll, wobei es auch da Ausnahmen gibt. Jeder braucht schließlich andere Dinge, um glücklich zu sein. Für manche sind es einfach die Menschen rund um einen herum, für die anderen sind es Bücher, für wieder andere der Fernseher oder der PC, oder, oder, oder,….

Ihr seht schon, man kann gar keine „Grundregeln“ aufstellen, bis auf ein Minimum, bestehend aus Nahrung, Wasser, Hygiene, einer Wohnung, einfach allem, das für den Mensch als „Existenzminimum“ zählen würde. Wenn jeder Mensch der Welt diesen Standard leben würde, hätte jeder noch genug übrig, um seine Wünsche und Bedürfnisse größtenteils zu erfüllen. Das Problem dabei ist nur, dass wir, als westliche Zivilisation auf sehr vieles verzichten müssten. Man könnte sich neben dem Job keine zwei oder drei Hobbys (manche sogar mehr) leisten, eben nur eines und im Endeffekt wäre es sogar besser, die Hobbys als Beruf auszuüben. Da aber jeder sein Minimum zugesprochen bekommen würde, gäbe es da kaum Probleme. Es könnte aber zu Engpässen bei verschiedenen Berufsbildern kommen, denn zum Beispiel Tischler, Landwirte und Briefträger sind jetzt schon rar gesät.

Nun bin ich weder wirtschaftlich noch mit den Ressourcen so gut bewandert, um zu wissen, ob es überhaupt möglich wäre, das so durchzuziehen und natürlich müssten auch alle Menschen mitspielen, denn wenn man dieses Konzept durchzieht, wäre die westliche Welt – nach unseren Maßstäben – arm. Aber alle hätten, was sie brauchen, oder nicht? Nun, eigentlich ja, aber doch auch irgendwo nicht. Sie hätten alles, um gut und sicher überleben zu können, aber definitiv nicht genug, um angenehm Leben zu können. Wir wurden die letzten Jahre immer mehr darauf getrimmt, mit dem, was wir haben nicht zufrieden zu sein – wir sollen immer mehr haben wollen, um die Wirtschaft „anzukurbeln“, und so weiter.

Im Endeffekt könnt ihr also, jeder einzelne, für euch selbst entscheiden, was überflüssig ist, aber es gibt eben auch Dinge, die ziemlich unnötig sind. Es gibt Küchengeräte in Teleshopping-Angeboten, wo ich mir als gelernter Koch schon beim Zusehen denke „Wenn ich das, was die damit machen, nachmache, ist das Ding hinüber und Garantie ist auch weg, weil ganz sicher irgendwo steht, dass man das nur auf eigene Verantwortung nachmachen darf und jegliche Haftung ausgeschlossen wird“. Ich glaube, ob es sich da um eine Wunderpfanne oder ein Zaubermesser handelt, ist egal, ebenso wie bei den Fitnessgeräten, mit denen selbsternannte Profis arbeiten.

Um die Definition jetzt aber dennoch etwas enger zu fassen; lebensbereichernde Güter sind solche, die einem Menschen das alltägliche Leben oder besondere Situationen erleichtern, die man nicht, oder nur umständlich ohne sie machen könnte. Dinge, die einem das Leben vollstopfen hingegen, können nur etwas, wenn man sich darauf einlässt.

Ein handelsüblicher Nussknacker ist, zum Beispiel, etwas bereicherndes, wenn man viele frische Nüsse isst. Dabei ist es egal, ob in Zinnsoldaten-Form, eine einfache „Presse“, oder wie auch immer Nussknacker sonst so aussehen können. Ist dann allerdings noch ein Mini-PC drinnen, sowie ein Flaschenöffner, ein Korkenzieher und ein Feuerzeug außen darauf, so wird er zwar in vielerlei Hinsicht praktisch erscheinen, aber wenn man auch nur ein Werkzeug für den jeweiligen Zweck zu Hause hat, wird man schnell feststellen, dass man diesen Super-Nussknacker nicht zum Öffnen von Flaschen oder dem Entkorken von Wein benutzt, weil er einfach unpraktisch und unhandlich ist, sondern die dafür vorgesehenen Werkzeuge und damit wird er unnötig und „müllt“ einfach unser Leben zu.

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Ein Gedanke zu “Vollgestopftes oder eher bereichertes Leben?

  1. So viele Wörter und kann jetzt sagen, such Philosophie des Lebens!
    Ich bin glücklich mit meinen leben auch wenn mich manche Sachen stören aber das sind nur kleine dinge die nicht wichtig sind und schnell vergessen. :D

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